Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 03.07.2017 um 14:09 Uhr

Der perfekte Rasen


Rasen findet man in jedem Kleingarten und meist nimmt er eine recht große Fläche in Anspruch - leider oft zu viel (Problem: kleingärtnerische Nutzung!). Er spielt bei der Gartengestaltung eine wichtige Rolle, oft findet er Verwendung in der Mitte des Grundstückes: etwa als Mittelpunkt des Gartens, als Spielfläche oder zu Erholungszwecken. Für die Gestaltung ist es wichtig, den Rasen mit entsprechenden Pflanzen einzufassen, da er sonst langweilig und nicht aufgelockert wirkt (wie ein Teppich ohne Möbel).


Was verstehen wir unter einen perfekten Rasen? Als erstes ein dichtes und leuchtendes Grün im Garten. Um aber dahinzukommen, kann es ein weiter und mühsamer Weg werden. Ein paar Tipps und Tricks zu Pflege und Problemen von Rasen mögen Ihnen helfen. 


Mähroboter

1. Pflege des Rasens


1.1  Rasenmähen

Das Mähen hängt vom Wetter (Temperatur und Feuchtigkeit) ab. Ab einer Höhe von sechs bis acht Zentimetern sollte gemäht werden. Die Gräser reagieren wie Gehölze nach dem Schnitt, nämlich mit erhöhter Produktion von Grünmasse und stärkerer Verzweigung. Wöchentliches Mähen ist notwendig, wenn man sehr kurzen und dichten Rasen haben möchte. Ist der Rasen nicht allzu lang, kann er auch mit einem Mulchmäher gemäht werden. Dabei verbleiben die kurzen,  geschnittenen Halme auf dem Rasen. Bei ständigem Mulchen kann sich aber eine Schicht bilden, die den Pflanzen das Licht raubt und die Bodenoberfläche verdichten kann. Beim Einsatz von sogenannten Mährobotern wird fast täglich gemäht. Dabei fallen aber nur winzige, millimeterkleine, Halmabschnitte an, welche alsbald verrotten und einen positiven Einfluss für die Rasenanlage hat. 


Im Hochsommer sollte man den Rasen nicht zu stark einkürzen (längere Halme beschatten den Rasen besser und die Verdunstung ist geringer). Für das Winterhalbjahr sollte der Rasen kurz geschnitten sein. Da kann es auch mal sein, dass im Dezember noch Rasen geschnitten wird.


1.2  Wässerung

Trockenheit verträgt der Rasen länger, als man glaubt - die Wässerung sollte nur bei sehr lang andauernder Trockenheit erfolgen. Wässerung nie in der Mittagssonne (Sonnenbrand) durchführen! Die Wässerung sollte durchdringend sein, dabei gilt, lieber nur zwei- bis dreimal in der Woche gründlich wässern, als täglich nur die Oberfläche etwas nässen.


1.3  Düngung

Der Rasen (Monokultur) hat einen hohen Bedarf an Nährstoffen. Diese sollte durch Düngung dem Rasen zugeführt werden, um Verbrauchtes wieder zu ersetzen (besonders bei Rasenschnitt mit Auffangmähern). Bei den Düngern können wir zwischen organischen oder mineralischen Düngern wählen. Aufwandmengen sind von ca. 20 g/m2 bis zu ca. 80 g/m2 möglich. Die erste Düngung sollte im Frühjahr nach dem ersten Schnitt, dann im Juli und schließlich noch einmal Anfang Oktober erfolgen.


Für die satte Grünfärbung des Rasens ist es ratsam, Rasendünger mit einem Anteil von ca. einem Prozent Eisen zu verwenden. Auch sollten Sie möglichst nur Langzeitdünger (drei bis vier Monate) verwenden. Dies gewährleistet eine gleichmäßige und kontinuierliche Versorgung mit Nährstoffen.


Durch das Vertikutieren wird der Rasen gut belüftet.

1.4  Vertikutieren

Unter Vertikutieren versteht man die Auflockerung des Rasenfilzes, welcher durch vertrocknete Halme und Wurzeln entsteht, und die Entfernung von Moos und Kleinunkräutern. Durch einen Vertikutierer wird die obere verdichtete Schicht zwei bis drei Millimeter tief aufgerissen, so dass die Gräser wieder atmen und sich ausbreiten können und die Wurzeln Luft bekommen.


Als Termin empfehlen wir ist das Frühjahr vor der ersten Langzeit-Düngung. Vor dem Vertikutieren ist der Rasen auf ca. drei Zentimeter zurückzuschneiden. Auch wäre es möglich, dass ein schnell wirkender Dünger vor dem ersten Vertikutieren eingesetzt wird, so dass sich der Rasen erst einmal kräftigen kann. Ein Langzeitdünger sollte nicht vor dem Vertikutieren angewendet werden, weil er sonst zerstört und herausgeharkt wird.


Eine weitere Möglichkeit ist, wenn nicht zu viel Rasen- und Moosreste auf der Rasenfläche nach dem Vertikutieren liegenbleiben, mit einem Rasenmäher alles aufnehmen. Hierdurch spart man sich viel Zeit und hinterlässt einen perfekt gelüfteten Rasen.


1.5  Gerate für die Rasenpflege

Es gibt eine Vielzahl von Rasenmäher-Modellen auf dem Markt, die Auswahl hängt von der Rasenart, Flächengröße und Geländeart ab.



Modell
Erläuterungen
Sichelmäher
ist ein Messer um eine senkrechte Achse parallel zum Boden angeordnet, als Akku-, Elektro- oder Benzinmotor erhältlich, Grashalme werden abgeschlagen und aufgefangen

Mulchmäher
Variante des Sichelmähers, besonderes Messer, bei einem Durchgang erfolgt ein mehrmaliger Schnitt des Grases, feines Schnittgut verbleibt auf der Rasenfläche

Balkenmäher
Einsatz bei höheren Wiesengräsern, gegenläufige Messer

Luftkissenmäher
statt auf Rädern zu rollen werden sie von einem Polster aus gestauter Luft getragen

Spindelmäher
mehrere Messer auf einer rotierenden Spindel, sehr sauberer Schnitt, Schnitthöhe maximal drei Zentimeter

Schlegelmäher
ist eine Maschine zum Mähen und gleichzeitigen Zerkleinern des Mähgutes bei sehr hohen Wiesengräsern und anderen Pflanzen

Freischneider
Zum Schneiden der Rasenkanten

Vertikutierer
Welle mit Messern besetzt, welche zwei bis drei Millimeter tief in die Erdoberfläche eindringen, als Elektro- oder Benzinmotor erhältlich



2. Probleme im Rasen


2.1  Schneeschimmel

Dieser entsteht auf Grund einer lange andauernden dichten Schneedecke auf der Rasenfläche. Dieser Pilz kann optimal wachsen bei Temperaturen um plus 3 Grad Celsius. Dieser Schneeschimmel-Pilz kann nicht direkt bekämpft werden, aber er verschwindet meist von selbst, sobald die Temperaturen ansteigen. Nun hinterlässt er aber schadhafte Stellen im Rasen. Diese sollten beseitigt werden, indem man die abgestorbenen Gräser kräftig herausharkt, die Stellen dann mit einer leichten Erdschicht bedeckt und Rasensamen aussät. Zusätzlich sollte der Rasen etwas stärker stickstoffbetont durch Verwendung eines entsprechenden Rasendüngers mit höherem Stickstoffgehalt gedüngt werden. Dadurch wird er stärker zum Wachstum angeregt. Mit all diesen Maßnahmen wird Ihr Rasen wieder in einen gesunden Zustand gebracht.


2.2  Rostpilze

Im Frühjahr können auch Rostpilze auftreten, diese sind anhand der braunroten Verfärbungen auf den Grashalmen zu erkennen. Durch regelmäßige Rasenschnittarbeiten verschwinden diese von allein.


2.3  Hexenringe

Auf einigen Rasenflächen sind manchmal kreisförmig wachsende Pilzansammlungen, solche mit Stiel und Hut, sogenannte Hexenringe, aufzufinden. In einigen Fällen hat an diesen Stellen vormals ein Baum oder Gehölz gestanden. Diese Pilze scheiden einen Stoff aus, der den Rasen absterben lässt. Bei diesen Vorkommen kann vorbeugend durch Düngung und Vertikutieren geholfen werden.


2.4  Moos

Bevor man mit der Bekämpfung von Moos im Rasen beginnt, sollte man überlegen, worin die Ursachen für die Entstehung von Moos liegen. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten: Mangelnde Pflege, unzureichende Versorgung des Bodens mit Dünger, Luftabschluss, falscher pH-Wert (Bodensäure), Staunässe, Verdichtung und Schatten sind die häufigsten Ursachen für die Entstehung von Moos.


Zur Lösung des Problems genügt nicht, wie viele Gartenfreunde glauben, den Rasen nur zu kalken. Dies wäre nur eine Maßnahme, und zwar die Bodensäure in einen neutralen Bereich zu bringen. Wichtiger noch, um Moos zu beseitigen, wäre, den Rasen zu durchlüften, regelmäßig zu vertikutieren, eine dünne Schicht Sand bzw. Feinkies als Drainage über die Fläche streuen und für eine ausgeglichene Ernährung des Rasens durch Düngegaben zu sorgen.


Sollte eine direkte Bekämpfung des Mooses notwendig sein, kann man auch spezielle Moosvernichter einsetzen. Als Wirkstoffe sind hier Eisen-II-Sulfat, Quinoclamin und Pelargonsäure zu nennen. An Stellen, an denen zu wenig Sonne an den Rasen kommt, ist meistens auch viel Moos zu finden. Um eine erneute Ausbreitung von Moos im Rasen zu unterdrücken, ist die angemessene Ernährung des Rasens wichtig. Bitte verwenden Sie möglichst einen Rasenlangzeitdünger und düngen Sie nicht nur einmal im Jahr Ihren Rasen, sondern solange wie Ihr Rasen auch Nährstoffe benötigt! Im Schnitt also zwei- bis dreimal im Jahr. Außerdem sollten Sie den Rasendünger von Zeit zu Zeit zwischen organischem, organisch/mineralischem oder reinen mineralischen Rasendünger wechseln.



Vor der Aussaat sollte die Fläche gut umgegraben und glatt geharkt werden.

3. Rasen anlegen


3.1  Bodenvorbereitung

Da ein geplanter Rasen recht lange an seinem zukünftigen Ort bleibt, sollte die Vorbereitung so gut wie möglich erfolgen. Wichtig ist es, den Pflanzen einen optimalen Boden zur Verfügung zu stellen. Die optimale Zusammensetzung ist ein Humus-Sand-Lehm-Gemisch und ein pH-Wert zwischen 6 und 7.


Vor der Aussaat sollte die Fläche umgegraben werden, von Unkräutern und Steinen befreit und glatt geharkt werden. Zuerst das Grobplanum und dann das Feinplanum herstellen. Auch wäre eine Vorkultur auf der neuen Rasenfläche sinnvoll, zum Beispiel eine Gründüngung etwa mit Lupinen. Dies führt zu einer tiefgründigen Bodenlockerung und Nährstoffansammlung.


3.2  Aussaat

Die besten Aussaattermine sind April/Mai und September bis November. Die Aussaat im Herbst hat den Vorteil, dass nicht so viele Rasenunkräuter auf die neue Rasenfläche gelangen können (weniger Samenflug!) und dass der Boden eine höhere Bodentemperatur aufweist. Die Temperatur zur Aussaat sollte über 8 Grad Celsius liegen und es muss für ausreichend Bodenfeuchte gesorgt werden. Bei einer Aussaat im Hochsommer wäre die zu befürchtende Trockenheit das Problem.


3.3  Saatmischung

Die Saatmischung sollte aus mindestens vier verschiedenen Grasarten bestehen, wie zum Beispiel:

- Rotes Straußgras (Agrostis capillaris)

- Rotschwingel (Festuca rubra)

- Wiesenrispe (Poa pratensis)

- Deutsches Weidelgras (Lolium perenne)


Diese Grasarten unterscheiden sich in verschieden Merkmalen voneinander. Bei besseren Saatgutmischungen wird weniger Schnittgut produziert. Diese Arten wachsen auch weniger stark. Auf der Rasenpackung ist immer der prozentuale Anteil der Grasarten angegeben. Die Rasensaat sollte nicht älter als drei Jahre sein, weil sonst die Gefahr besteht, dass sie nicht wie gewünscht aufgeht.

3.4  Rasenmischungen


Rasenart
Erläuterungen
Zierrasen
ist sehr feinblättrig, gering belastbar, hoher Pflegeaufwand (zweimal in der Woche mähen), wird auch als englischer Rasen bezeichnet, ist trockenheits- und krankheitsempfindlich

Strapazierrasen
auch Sportrasen, Gebrauchsrasen oder Spielrasen genannt, der meistgefragte Rasentyp, Gräserarten hoch belastbar, weniger Pflege nötig
 
Schattenrasen
enthält die Grasart Lägerrispe (Poa supina), viel Pflege nötig (Wässerung/Düngung), wachsen auch in sonnigen Lagen
 
Kräuterrasen
besteht aus Gräsern und niedrigen Blühpflanzen, Kräuter blühen selbst nach monatlichem Schnitt
 
Blumenwiesen
ein- bis zweimal mal pro Jahr darf gemäht werden, kaum Pflegeaufwand


Durch das Walzen nach dem Säen wird die Fläche geglättet und gefestigt. Fotos: Sven Wachtmann

3.5  Vorgehen beim Säen

Menge des Saatgutes nach Faustregel 25 bis 30g/m², Ausbringung mit Hand oder Saatwagen, bei dem die Saatdichte eingestellt werden kann. Fläche einmal längs und einmal quer abfahren. Saatwagen ist auch als Düngerwagen zu verwenden. Nach dem Säen wird der Grassamen eingeharkt, leicht mit Erde bedeckt. Danach wird gewalzt, dadurch bekommt die Fläche eine Glättung und Festigung. Wässerung der Fläche für die nächsten ein bis zwei Wochen. Achtung: Wird die Keimung durch Austrocknung unterbrochen, kann das Samenkorn absterben! Es müsste dann erneut gesät werden.


3.6  Produkte für den Rasen

Eine Fülle an Rasenpflegeprodukten bieten uns die Bau- und Gartenmärkte. Eine kleine Abfolge von diversen Produkten:


Produkt
Erläuterung
Rasen-Erde
Verbesserung der Bodenbeschaffenheit

Rasen-Aktivator
Verbesserung des Bodens, Verbesserung der Nährstoffaufnahme

Rasen-Sand
Verbesserung der Durchlüftung bei lehmhaltigen Böden

Bentonit
Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit von leichten Böden

Rasen-Dünger
Langzeiternährung des Rasens sichern

Rasen-Herbizid (nicht im Kleingarten verwenden!)
Entfernung von unerwünschtem Unkraut im Rasen

Rasen-Saatgut
Zur Neuanlage oder zur Ausbesserung der Rasenfläche




Sven Wachtmann

Landesgartenfachberater und Vorstandsmitglied Fachberatung