Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 03.05.2017 um 12:14 Uhr

Naturnaher Garten

Ökologische Bewirtschaftung im Kleingarten


Naturnahes Gärtnern heißt, mit der Natur zusammenzuarbeiten, Erfahrungen aus der Natur zu sammeln und in der eigenen Oase umzusetzen. Jeder Kleingärtner und naturbegeisterte Mensch kann selbst in seinem Garten diese Erfahrungen umsetzen und mit seinen Nachbarn und Bekannten austauschen. Auch in den Schulungen der Gartenverbände kann man Erkenntnisse aus der Wissenschaft und von praxiserprobten Kleingärtnern erhalten. Die Natur zeigt uns vieles, man muss es nur verstehen und deuten können. -- So können wir nachhaltig handeln.


Vielfach werden verwilderte oder verwahrloste Gärten als naturnahe Gärten betrachtet, was aber ein Irrglaube ist und gerne behauptet wird, um nicht einräumen zu müssen, „dass man wenig Zeit für meinen Garten hat“. Da diese Tatsache für die Vorstände nicht immer erkennbar ist, wird in einem solchen Fall gerne die Hilfe der Fachberater hinzugezogen.


Naturnahes Gärtnern in der Kleingartenanalge "Zur Linde"

Foto: Seriot

Was ist ein naturnaher Garten?

Einige Aspekte des naturnahen Gärtnerns wären der artgerechte Anbau von Pflanzen, der überlegt ausgewählte Standort für Pflanzungen, der sinnvolle Umgang mit Pflanzenschutzmitteln (wenn überhaupt notwendig), die Bodenverbesserung durch Kompostierung oder Gründüngung, eine ausschließlich bedarfsgerechte Düngung der Pflanzen, der sparsame und gezielte Verbrauch des kostbaren Wassers, die Förderung von Nützlingen und vieles weitere mehr. Im Bereich des Pflanzenschutzes sollte der intergriete Pflanzenschutz an erster Stelle stehen.


Es sollte allen ein wichtiges Anliegen sein, unsere Umwelt zu erhalten und zu pflegen. Oft werden wir an kleine und große Vergehen an der Natur erinnert. Daher sollten wir auch besonders als Kleingärtner jede Gelegenheit nutzen, um einen Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung unseres Gartens zu bewirken.


Große Pflanzenvielfalt gleich Insektenvielfalt

Wenn die Pflanzenvielfalt in den Gärten sehr hoch ist, ist auch mit einer großen Artenvielfalt von Insekten und anderen Tierarten zu rechnen. Im Garten sollten Wild- wie auch Zierpflanzen zu finden sein, denn viele Tiere benötigen Wildpflanzen als Nahrungsquelle, so etwa Wildkräuter. Die meisten Wildkrautarten sind einjährig und benötigen zu ihrer Entwicklung jährlich einen bearbeiteten Boden. Einige Wildkräuter sind mittlerweile als Kulturpflanzen in unseren Gärten wieder angekommen, wie z.B. Echte Kamille, Feld-Stiefmütterchen oder Große Brennnessel. Viele dieser Wildpflanzen eignen sich auch zur biologischen Schädlingsbekämpfung und zur Pflanzenstärkung und sind für unsere heimischen Insekten als Angebot an Blüten mit Nektar und Pollen wichtig. Zudem eignen sich viele Wildkräuter für uns Menschen auch in Form von Salaten oder Tees.


Eine Wiese ist eine ausdauernde Pflanzengemeinschaft, in der Blumen, Gräser und Kräuter ihren Lebenszyklus bis zur Samenreife durchlaufen und so eine artenreiche Pflanzenwelt bieten. Auch das Anlegen von Steingärten, Sand- Kies-, oder Steinhaufen fördert die Artenvielfalt im Garten. Pflanzen benötigen zum Leben einen viel geringeren Lebensraum als Tiere, dies muss man bei der Ansiedelung von Tierarten bedenken. Ein einzelner Garten ist immer nur ein Teil des Lebensraums , während größere Kleingartenanlagen durchaus ein Gesamtlebensraum für eine oder mehrere Arten sein können.


Pflanzenvielfalt in der Kolonie Oeynhausen.

Foto: LV Berlin

Kreislaufwirtschaft

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des naturnahen Gärtnerns ist die Kreislaufwirtschaft. Alles organische Material, ausgenommen kranke Pflanzenteile, sollten im Garten verbleiben und wieder neu aufgearbeitet werden. Ein Komposthaufen ist das beste Beispiel dafür und dient gleichzeitig vielen nützlichen Tieren als hervorragender Lebensraum.


Darüber hinaus sollten wir den persönlichen Wert für die in der Natur wirkenden Menschen, also auch wir Kleingärtner, nicht vergessen. Bei der Erhaltung der Umwelt ergeben die Arbeiten im Garten und die daraus erworbenen Erkenntnisse wirkungsvolle Effekte für das eigene Leben und die Gesundheit. Auch jedem Kleingärtner ist es mit einfachen Mitteln möglich, aktiv zum Artenschutz beizutragen. Man kann zum Beispiel durch das Anlegen kleiner Gartenbiotope, Wildpflanzenwiesen und Feuchtgebiete zusätzliche Lebensräume für Insekten und andere nützliche Tiere schaffen und dadurch das Gedeihen der Flora und Fauna positiv beeinflussen.


Es ist immer wieder wichtig, daran zu erinnern, welch unverzichtbares Gut mit den Gärten in unseren Händen liegt. Dieses Gut wollen wir durch naturnahes Gärtnern verteidigen und vergrößern, in jedem einzelnen Kleingarten.


Stimmen der Gartenfachberater aus den Berliner Bezirken zum 

naturnahen Gärtnern

"Ein naturnaher Kleingarten ist ein vielfältiger Lebensraum mit einem günstigen Umfeld für Flora und Fauna."   BV-Süden


"Ein naturnaher Garten ist ein Garten, in dem der Versuch unternommen wird, unter Einhaltung der Notwendigkeiten der Natur einen möglichst großen Raum zur Entfaltung zu belassen."   BV-Stegliz


"Auch, wenn die kleingärtnerische Nutzung eingehalten werden muss, lässt sich ein naturnaher Garten gestalten."   BV-Schöneberg/Friedenau


"Grundlage ist der Begriff Integrierter Pflanzenschutz, ergänzt durch maximale Nutzung dessen, was die Natur uns bietet, was uns Kleingärtner von der Landwirtschaft bzw. dem Erwerbsgartenbau unterscheidet."   BV-Köpenick


"Die Menschen dürfen nicht nach Äußerlichkeiten gehen, sondern nach Sinn und Nutzen."   BV-Zehlendorf


"Ein naturnaher Kleingarten muss in erster Linie dem Bundeskleingartengesetz entsprechen. Über seine Gestaltung aber soll der Kleingärtner entscheiden können."   BV-Weissensee


Maßnahmen für einen naturnahen Garten

 

1. Pflanzenauswahl

eine größere Artenvielfalt in den Garten bringen

bevorzugt einheimische Pflanzen und robuste Arten auswählen

Pflanzen für Bienen und andere Insekten als Nektarpflanzen wählen

Schaffung von Blumenwiesen statt Rasen

Wild- und Heilkräuter in die Gärten bringen

Mischkulturen fördern

optimalen Standort für jede Kultur auswählen

richtigen Pflanzabstand für jede Kultur auswählen

 

2. Pflanzenernährung

Einbringen von Humus

Kompostwirtschaft betreiben

Flächenkompostierung betreiben

Gründüngung als Herbstbegrünung für die Gemüsefläche anlegen

organische Dünger bevorzugen

Pflanzenstärkungsmittel zur Gesunderhaltung der Pflanzen anwenden

angepasste Düngung


3. Unterkünfte für Tiere

Herstellen eines natürlichen Gleichgewichts

Nisthilfen für Wildbienen und andere Insekten anbieten (z.B. Insektenhotel)

Nistkästen für Vögel anbieten

Totholzhaufen, Reisighaufen als Unterschlupf für Nützlinge anbieten

Vogeltränke, Wasserstelle für Vögel und Insekten anbieten

Igelschutz

Lehmhügel für Erdbienen schaffen

Erdhummelkasten

Unterschlupf für Tiere schaffen, z.B. Steinhaufen, Reisighaufen, Benjeshecke, Biotope, Sandflächen für Reptilen anbieten


4. Pflanzenschutz

integrierten Pflanzenschutz betreiben

natürliche Wirkstoffe von Pflanzenschutzmittel auswählen

Nützlingseinsatz im Gewächshaus und im Boden

Einsatz mechanisch-technischer Maßnahmen (z.B. Vliese, Kulturschutznetze, Folien)

 

Der vorbeugende Pflanzenschutz steht im ökologischen Garten im Vordergrund. Dazu zählen unter anderem die Förderung der Pflanzengesundheit, die Stärkung natürlicher Abwehrkräfte und die Unterstützung der Regulationsmechanismen im Ökosystem – zum Beispiel durch die Förderung von Nützlingen.

 

5. Bodenpflege

geringe Versieglung des Bodens betreiben

richtige Mulchung bevorzugen

sorgfältige und schonende Bodenbearbeitung betreiben

auf Umgraben des Bodens möglichst verzichten

ganzjährige Bodenbedeckung betreiben

Bodenleben schützen und fördern

Bodenfruchtbarkeit erhalten und steigern

Bodenuntersuchung in regelmäßigen Abständen durchführen

Einbringung von organischer Substanz

Arbeiten mit Gründüngungspflanzen (z.B. Phacelia, Senf)


6. Gartengestaltung/Gartenpflege

keine Wildnis hinterlassen

schnell verrottbares Laub nicht beseitigen, sondern auf Beetflächen verteilen

Hecken als Nisthilfen und Nahrungsquelle für Insekten schaffen

Winterquartier für Nutzinsekten bereitstellen

Anlegen von Trockenmauern, Steinmauern, Hochbeeten, Hügelbeeten ...

Fruchtstände im Winter an den Pflanzen belassen

Anlegen von wasserdurchlässigen Wegen

Vielfalt der Flächennutzung 

Wahl des geeigneten Saat- und Pflanztermins

 

7. Rechtliches

Einhaltung des Bundeskleingartengesetzes im naturnahen Garten


8. Wasser

Gartenteich ohne Fische, damit Insektenlarven überleben können

Schaffung von Feuchtbiotopen

Regenwassernutzung

gezielte und optimale Wasserversorgung im Garten


9. Fortbildung/Schulungen

Schulungen zum naturnahen Gärtnern anbieten


10. Naturschutzgedanke

biologische Vielfalt fördern

Naturkreislauf beachten



Sven Wachtmann

Landesgartenfachberater und Vorstandsmitglied Fachberatung