Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 25.10.2016 um 17:00 Uhr

Pflanzenschutz im Kleingarten? Natürlich!

Peter Boas über Integrierten Pflanzenschutz     


Foto: M. Großmann/pixelio.de

Ein eigener Garten ist gerade für Großstädter wie ein Stück Paradies. Freizeitgärtnerinnen und Gärtner gestalten ihre eigene Welt voll betörender Farben, Formen und Düfte. Gleichzeitig schaffen sie Lebensräume und Nischen für viele Tier- und Pflanzenarten, das wird immer wichtiger! Schon seit mehr als 5.000 Jahren gärtnert der Mensch. 


Gärten unterliegen regelmäßigen Veränderungen. Dienten Gärten noch im vergangenen 20. Jahrhundert insbesondere der Eigenversorgung mit Obst und Gemüse, so spielt heute der Erholungscharakter der Gärten eine größere Rolle. Aber was wäre ein Kleingarten ohne Obstbäume, leckeres Beerenobst, knackiges Gemüse, frische Kräuter und viele unterschiedliche Zierpflanzen oder Ziersträucher? Wer Erfolg mit seinem Kleingarten haben will, muss einige Grundregeln beachten. Alles beginnt mit guter Planung. Ob Sie es glauben oder nicht, wir sind schon mitten im Pflanzenschutz angekommen!


Integrierter Pflanzenschutz

Als Pflanzenschützer sprechen wir vom Integrierten Pflanzenschutz. Für Viele klingt das erstmal eher unverständlich und kompliziert, ist es aber nicht! Im Integrierten Pflanzenschutz geht es um die bestmögliche Kombination verschiedener Maßnahmen oder Verfahren, die alle nur ein Ziel kennen, Pflanzen gesund zu erhalten. In diesem Anbausystem stehen, biologische, biotechnische, pflanzenzüchterische sowie anbau- und kulturtechnische Maßnahmen immer im Vordergrund wenn es darum geht, Pflanzen gesundzuerhalten. Zu den klassischen biologischen Maßnahmen zählt beispielsweise der Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel Marienkäfer, Florfliege und Schlupfwespe, die Blattläusen auflauern, sie fressen, aussaugen oder in sie ihre Eier ablegen. Ein Beispiel für biotechnische Maßnahmen sind Lockstoffe (Pheromone), die zum Beispiel in Fallen am Apfelbaum zum Einsatz kommen. Nach entsprechender regelmäßiger Kontrolle zeigen sie an, ob gegen Apfelwickler überhaupt Gegenmaßnahmen stattfinden müssen und falls ja, wann der geeignetste Termin hierfür ist. Unter den pflanzenzüchterischen Maßnahmen ist insbesondere die Sortenwahl zu verstehen. Für viele Gewächse in unseren Kleingärten gibt es weniger anfällige Sorten, sogenannte resistente Sorten. Sie sind zwar teurer, aber wer ärgert sich nicht, wenn zum Beispiel Gurken wegen falschem Mehltau von einem auf den anderen Tag zusammenbrechen? Blieben noch die anbau- und kulturtechnischen Maßnahmen übrig. Hierzu gehören insbesondere die Auswahl eines geeigneten Standorts, eine entsprechende Vorbereitung des Bodens, der richtige Saat- bzw. Pflanztermin, die Beachtung von Fruchtfolgeregeln, eine ausgewogene Nährstoffversorgung, das Absammeln von Schädlingen, das Hacken, das Jäten von Unkraut sowie eine ausreichende Bewässerung. In der Praxis hat sich die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen und Verfahren für gesunde Pflanzen bewährt.


Was sind denn eigentlich Schädlinge? 

Hierbei handelt es sich um Organismen, die nach dem Werturteil des Menschen Nutzpflanzen beeinträchtigen, erkranken lassen oder zerstören. Die Natur unterscheidet nicht in „gute“ und „böse“ Tier- und Pflanzenarten. Beispielsweise bilden saugende Insekten wie Blattläuse eine wichtige Nahrungsgrundlage für Marienkäfer, Schweb- und Florfliegen.  Schön und gut werden Sie sagen, aber jede Gartenfreundin und Gartenfreund möchte gesundes Obst und knackiges Gemüse als Lohn für die geleistete Gartenarbeit ernten und sich an seinen Zierpflanzen und Ziersträuchern erfreuen! 


Doch selbst bei Beachtung aller hier aufgezeigten Grundsätze integrierten Gärtnerns werden Obst, Gemüse, Ziersträucher und Zierpflanzen nicht von Krankheiten und Schädlingen verschont. Was tun? Also doch wieder Pflanzenschutzmittel anwenden? Nein, nicht vordergründig! Handarbeit ist gefragt: Hacken, Unkraut jäten, kranke Triebe abschneiden, Schädlinge absammeln, usw.


Pflanzenschutzmittel

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln muss im Kleingarten immer das letzte Mittel der Wahl sein, um Schadorganismen Paroli zu bieten. Grundsätzlich lässt es sich im Kleingarten viel leichter mit Schädlingen leben! Schließlich dient der Kleingarten nicht dem Erwerb. Gärtnern ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung!


Wenn Pflanzenschutzmittel angewandt werden, ist die Anwendung so durchzuführen, dass es zu keinen schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen oder Tieren oder auf das Grundwasser oder auf den Naturhaushalt kommt. Lesen und beachten Sie deshalb die Gebrauchsanleitung! Verwenden Sie ausschließlich in der Bundesrepublik Deutschland zugelassene Mittel.


Zusammenarbeit im Sinne des Pflanzenschutzes

Auch wenn es die persönliche Beratung in der bisherigen Form nicht mehr gibt, wird Sie das Pflanzenschutzamt Berlin auch in Zukunft pflanzenschutzlich begleiten und regelmäßig über das aktuelle Auftreten von Krankheiten und Schädlingen informieren. Besonders empfehle ich Ihnen ein Abonnement unseres Newsletters, den Berliner Gartenbrief. Alle hier vorgestellten Angebote des Pflanzenschutzamtes finden Sie auf unserer Internetseite, www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen persönlich viel Freude und Erfolg in Ihrem Kleingarten!



Peter Boas ist Leiter des Pflanzenschutzamtes Berlin

im Berliner Gartenfreund 11-2016