Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 13.09.2019 um 12:14 Uhr

Der Perfekte Rasen

Rasen findet man in jedem Kleingarten und er nimmt Fläche in in Anspruch - leider oft zu viel, was im Hinblick auf die kleingärtnerische Nutzung ein Problem sein kann.

Der Rasen hat bei der Gartengestaltung ein wichtiges Wort mitzureden. Angelegt ist er meist in der Mitte des Grundstückes. (Mittelpunkt des Gartens, Erholungszweck, Spielfläche). Für die Gestaltung ist es sehr wichtig den Rasen mit entsprechenden Pflanzen einzufassen. Sonst wirkt er langweilig und nicht aufgelockert (wie ein Teppich ohne Möbel).


Was verstehen wir unter einen perfekten Rasen? Als erstes ein dichtes und leuchtendes Grün im Garten. Um aber dahinzukommen kann es ein weiter und mühsamer Weg werden.

Rasenmähen

Das Mähen hängt vom Wetter (Temperatur/Feuchtigkeit) ab. Ab einer Höhe von 6-8cm sollte gemäht werden. Die Gräser reagieren wie Gehölze nach dem Schnitt, nämlich mit erhöhter Produktion von Grünmasse und stärkerer Verzweigung. Wöchentliches Mähen ist notwendig wenn man sehr kurzen und dichten Rasen haben möchte. Ist der Rasen nicht allzu lang kann er auch mit einem Mulchmäher gemäht werden. Dabei verbleiben die kurzen geschnittenen Halme auf dem Rasen. Bei ständigem Mulchen kann sich aber eine Schicht bilden, die den Pflanzen das Licht raubt und die Bodenoberfläche verdichten kann. Beim Einsatz von sogenannten Mährobotern wird fast täglich gemäht. Dabei fallen aber nur winzige millimeterkleine Halmabschnitte an, die schnell verrotten und einen positiven Einfluss für die Rasen hat. Im Hochsommer sollte man den Rasen nicht zu stark einkürzen, weil längere Halme den Rasen besser beschatten und die Verdunstung somit geringer ist.

Für das Winterhalbjahr sollte der Rasen kurz geschnitten sein. Da kann es auch mal sein, dass Sie im Dezember mähen müssen.


Den Rasen wässern

Trockenheit verträgt der Rasen länger als man glaubt. Wässern sollte man daher nur bei sehr lang andauernder Trockenheit. Bewässern Sie aber nie in der Mittagssonne, weil sonst Sonnenbrand entstehen könnte. Die Bewässerung sollte durchdringend sein, dabei gilt: Lieber nur zwei- bis dreimal pro Woche gründlich wässern, als täglich nur die Oberfläche zu benetzen.


Die richtige Düngung

Der Rasen ist eine Monokultur und hat einen hohen Bedarf an Nährstoffen. Weil mit dem Rasenschnitt – besonders bei der Verwendung von Auffangmähern – viele Nährstoffe verloren gehen, sollten sie durch Düngung dem Rasen wieder zugeführt werden. Bei den Düngern können wir zwischen organischen oder mineralischen Düngern wählen. Aufwandmengen sind von ca. 20g/m2 bis zu ca. 80g/m2 möglich. Die erste Düngung sollte im Frühjahr nach dem ersten Schnitt, dann im Juli und schließlich noch einmal Anfang Oktober erfolgen.


Für die satte Grünfärbung des Rasens ist es ratsam Rasendünger mit ca. 1% Eisen zu verwenden. Auch sollten Sie möglichst nur Langzeitdünger (3-4 Monate) verwenden. Diese gewährleisten eine gleichmäßige Versorgung und kontinuierliche Versorgung mit Nährstoffen.


Vertikutieren

Unter Vertikutieren versteht man die Auflockerung des Rasenfilzes, der durch vertrocknete Halme und Wurzeln entsteht, sowie die Entfernung von Moos und Kleinunkräutern. Durch einen Vertikutierer wird die obere verdichtete Schicht 2-3mm tief aufgerissen, so dass die Gräser wieder atmen und sich ausbreiten können und auch die Wurzeln Luft bekommen.


Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr vor der ersten Langzeit Düngung. Vor dem Vertikutieren sollten Sie den Rasen auf ca. 3 cm zurückzuschneiden. Es ist auch möglich, einen schnell wirkenden Dünger vor dem ersten Vertikutieren einzusetzen, sodass sich der Rasen erst einmal kräftigen kann. Einen Langzeitdünger sollte nicht vor dem Vertikutieren angewendet werden, weil er sonst nach dem Vertikutieren wieder heraus geharkt wird. Eine weitere Möglichkeit ist, wenn nicht zu viel Rasen- und Moosreste auf der Rasenfläche nach dem Vertikutieren liegenbleiben, mit einem Rasenmäher alles aufnehmen. Das geht deutlich schneller und leichter als das zeitaufwändige Abharken.


Geräte für die Rasenpflege

Bei Rasenmäher gibt es eine Vielzahl von Modellen auf dem Markt. Die Auswahl ist abhängig von der Rasenart, der Flächengröße und der Geländeart.


  • Sichelmäher: Ist ein Messer um eine senkrechte Achse parallel zum Boden angeordnet, als Akku-, Elektro- oder Benzinmotor erhältlich, Grashalme werden abgeschlagen und aufgefangen
  • Mulchmäher: Variante des Sichelmähers, besonderes Messer, bei einem Durchgang erfolgt ein mehrmaliger Schnitt des Grases, feines Schnittgut verbleibt auf der Rasenfläche
  • Balkenmäher: Einsatz bei höheren Wiesengräsern, gegenläufige Messer
  • Luftkissenmäher: Statt auf Rädern zu rollen werden sie von einem Polster aus gestauter Luft getragen
  • Spindelmäher: Mehrere Messer auf einer rotierenden Spindel, sehr sauberer Schnitt, Schnitthöhe maximal 3 cm
  • Schlegelmäher: Ist eine Maschine zum Mähen und gleichzeitigen Zerkleinern des Mähgutes bei sehr hohen Wiesengräsern und anderen Pflanzen
  • Freischneider: Schneiden der Rasenkanten
  • Vertikutierer: Welle mit Messern besetzt, welche 2-3 mm tief in die Erdoberfläche eindringen, mit Elektro- oder Benzinmotor erhältlich


Problemzonen im Rasen


Schneeschimmel (Bild links) entsteht auf Grund einer lange andauernden dichten Schneedecke auf der Rasenfläche. Dieser Pilz kann optimal bei Temperaturen um plus 3 Grad Celsius wachsen. Schneeschimmel-Pilz kann nicht direkt bekämpft werden, aber er verschwindet meist von selbst sobald die Temperaturen ansteigen. Nun hinterlässt er aber schadhafte Stellen im Rasen. Diese sollten beseitigt werden, in den man die abgestorbenen Gräser kräftig herausharkt, die Stellen dann mit einer leichten Erdschicht bedeckt und Rasensamen aussät. Zusätzlich sollte der Rasen etwas stärker stickstoffbetont – mit einem entsprechenden Rasendünger mit höherem Stickstoffgehalt. Hierdurch wird der Rasen stärker zu Wachstum angeregt und gleichzeitig wieder in einen gesunden Zustand gebracht.


Im Frühjahr können auch Rostpilze auftreten, die durch braunrote Verfärbungen auf den Grashalmen erkennbar sind. Durch regelmäßige Rasenschnittarbeiten verschwinden diese von allein.


Auf einigen Rasenflächen sind manchmal kreisförmig wachsende Pilzansammlungen, solche mit Stiel und Hut, sogenannte Hexenringe, zu finden. In einigen Fällen hat an diesen Stellen vormals ein Baum oder Gehölz gestanden. Diese Pilze scheiden einen Stoff aus, der den Rasen absterben lässt. Durch Düngung und Vertikutieren verschwinden sie meist.

Moos, Moos, Moos

Bevor man mit der Bekämpfung von Moos im Rasen beginnt, sollte man überlegen, worin die Ursachen für die Entstehung von Moos liegen. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten. Mangelnder Pflege, unzureichende Versorgung des Bodens mit Dünger, Luftabschluss, falscher pH-Wert (Säuregehalt des Bodens), Staunässe, Verdichtung und Schatten sind die häufigsten Ursachen für die Entstehung von Moos.

Zur Lösung des Problems genügt nicht, wie viele Gartenfreunde glauben, den Rasen nur zu kalken. Dies wäre nur eine Maßnahme, um die Bodensäure in einen neutralen Bereich zu bringen.

Wichtiger noch, um Moos zu beseitigen wäre den Rasen zu durchlüften, regelmäßig zu vertikutieren, eine dünne Schicht Sand/Feinkies als Drainage über die Fläche streuen sowie für eine ausgeglichene Ernährung des Rasens durch Düngegaben zu sorgen. Sollte eine direkte Bekämpfung des Mooses notwendig sein, kann man auch spezielle Moosvernichter einsetzen. Als Wirkstoffe sind hier Eisen-II-Sulfat, Quinoclamin und Pelargonsäure zu nennen.


An Stellen, an denen zu wenig Sonne an den Rasen kommt, ist meistens auch viel Moos zu finden. Um eine erneute Ausbreitung zu unterdrücken, ist die Ernährung des Rasens das Wichtigste. Bitte verwenden Sie möglichst einen Rasenlangzeitdünger und düngen sie nicht nur einmal im Jahr, sondern solange wie Ihr Rasen auch Nährstoffe benötigt. Im Durchschnitt 2-3x im Jahr. Außerdem sollten Sie beim Düngen von Zeit zu Zeit zwischen organischem, organisch/mineralischem oder reinen mineralischen Rasendünger wechseln.


Rasen anlegen

Soll eine Rasenfläche neu angelegt werden, sollte folgende Punkte beachtet werden.

Bodenvorbereitung: Weil ein geplanter Rasen recht lange an seinem zukünftigen Ort bleibt, sollte die Vorbereitung so gut wie möglich erfolgen. Wichtig ist es den Pflanzen einen optimalen Boden zur Verfügung zu stellen. Die optimale Zusammensetzung ist ein Humus-Sand-Lehm-Gemisch und ein pH-Wert zwischen 6 und 7.

Vor der Aussaat sollte die Fläche umgegraben werden, von Unkräutern und Steinen befreit und glatt geharkt werden. Zuerst das „Grobplanum“ und dann das „Feinplanum“ herstellen. Auch wäre eine Vorkultur auf der neuen Rasenfläche sinnvoll. z.B. eine Gründüngung mit z.B. Lupinen. Dies führt zu einer tiefgründigen Bodenlockerung und Nährstoffansammlung.


Aussaat: Die besten Aussaattermine sind April/Mai und September bis November. Die Aussaat im Herbst hat den Vorteil, dass nicht so viele Rasenunkräuter auf die neue Rasenfläche gelangen können (weniger Samenflug!) und dass der Boden eine höhere Bodentemperatur aufweist.

Die Temperatur zur Aussaat sollte über 8 C° liegen und es muss für ausreichend Bodenfeuchte gesorgt werden.

Bei einer Aussaat im Hochsommer wäre die zu befürchtende Trockenheit das Problem.


Saatmischung: Die Saatmischung sollte aus mindestens vier verschieden Grasarten bestehen. Zum Beispiel


  • Rotes Straußgras (Agrostis capillaris)
  • Rotschwingel (Festuca rubra)
  • Wiesenrispe (Poa pratensis)
  • Deutsches Weidelgras (Lolium perenne)


Diese Grasarten unterscheiden sich in verschieden Merkmalen voneinander. Bei besseren Saatgutmischungen wird weniger Schnittgut produziert. Diese Arten wachsen auch weniger stark. Auf der Rasenpackung ist immer der prozentuale Anteil der Grasarten angegeben. Die Rasensaat sollte nicht älter als 3 Jahre sein, weil sonst die Gefahr besteht, dass  das der Rasen nicht wie gewünscht keimt.


Rasenmischungen:


  • Zierrasen: Ist sehr feinblättrig, gering belastbar, hoher Pflegeaufwand (2x in der Woche mähen), wird auch als „Englischer Rasen“ bezeichnet, ist trockenheits- und krankheitsempfindlich
  • Strapazierrasen: Auch „Sportrasen“, „Gebrauchsrasen“ oder „Spielrasen“ genannt, der meistgefragte Rasentyp, Gräserarten hoch belastbar, geringere Pflege nötig
  • Schattenrasen: Enthält die Grasart Lägerrispe (Poa supina), hohe Pflege nötig (Wässerung/Düngung), wachsen auch in sonnigen Lagen
  • Kräuterrasen: Besteht aus Gräsern und niedrigen Blühpflanzen, Kräuter blühen selbst nach monatlichem Schnitt
  • Blumenwiesen: Ein- bis zweimal mal pro Jahr darf gemäht werden, kaum Pflegeaufwand


Vorgehen beim Säen:
Als Faustregel für die Saatgutmenge gelten 25-30 g/m². Bringen Sie die Rasensamen mit Hand oder dem Saatwagen, bei dem die Saatdichte eingestellt werden kann, aus. Fahren Sie die Fläche einmal längs und einmal quer ab. Ein Saatwagen ist auch als Düngerwagen zu verwenden. Nach dem Säen wird der Grassamen eingeharkt und leicht mit Erde bedeckt. Danach wird gewalzt, dadurch bekommt die Fläche eine Glättung und Festigung. In den kommenden Wochen müssen Sie die Fläche gleichmäßig wässern. Achtung!  Wird die Keimung durch Austrocknen unterbrochen, kann das Samenkorn absterben – sie müssten dann erneut aussähen.

Produkte für Ihren Rasen

Eine Fülle an Rasenpflegeprodukten bieten uns die Bau- und Gartenmärkte. Eine kleine Abfolge von diversen Produkten:


  • Rasen-Erde: Verbesserung der Bodenbeschaffenheit
  • Rasen-Aktivator: Verbesserung des Bodens, Verbesserung der Nährstoffaufnahme
  • Rasen-Sand: Verbesserung der Durchlüftung bei lehmhaltigen Böden
  • Bentonit: Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit von leichten Böden
  • Rasen-Dünger: Langzeiternährung des Rasens sichern
  • Rasen-Herbizid: Unkrautvernichter dürfen nicht im Kleingarten verwendet werden
  • Rasen-Saatgut: Zur Neuanlage oder zur Ausbesserung der Rasenfläche



Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied Fachberatung


Fotonachweise:

Rasenmäher und Klee: Pixabay

Schneeschimmel: Rasenprofi, CC BY-SA 4.0

Moos: Wilhelm Zimmerling PAR, CC BY-SA 4.0

Dokumente:
Der Perfekte Rasen
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