Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 19.08.2025 um 11:03 Uhr

Förderung der Artenvielfalt im Kleingarten    

Eine Bereicherung für Allle 

Naturnah, lebendige, resiliente Gärten schaffen

Wir Gartenfreunde haben die Ehre, hier im dicht verbauten Berlin ein kleines Stück Land bewirtschaften zu dürfen.  Kleingärten sind die grüne Lunge der Stadt. Sie kühlen an heißen Tagen, reinigen die Luft und speichern Wasser. Wenn wir dazu die Artenvielfalt in unseren Gärten fördern, indem wir naturnah gärtnern, können unsere Gärten auch Rückzugsorte für Wildpflanzen, Wildtiere und Insekten werden. Für uns Menschen bedeutet das, Naturerfahrungen im Garten und weniger „Schädlinge“ im Gemüsebeet.


Wenn alle Kleingärtner die Artenvielfalt fördern,

könnten wir Gartenfreunde einen echten Unterschied machen! 

Also, los geht's!


1. Regionale Wildpflanzen im Garten holen

Die Beziehung zwischen Insekten und Wildpflanzen ist ein wunderbares Zusammenspiel. Wenn verschiedene Wildbienen schlüpfen, blühen gleichzeitig genau die Pflanzen im Region, die sie für ihre neue Brut brauchen. Ohne diese Wildpflanzen können viele Wildbienenarten nicht überleben. Auch Schmetterlinge brauchen bestimmte Pflanzung für Nektar, aber auch bestimmte Pflanzen für Ihre Raupe, sogenannte Raupenfutterpflanzen. 


Wichtigen Nahrungspflanzen für Wildbienen und Schmetterlinge:


Für Zierbeete

Wilde Möhre, Echter Kümmel, Baldrian, Hornklee, Gundermann, Bunte Kronwicke, Gamander-Ehrenpreis, Wegwarte, Botanische Krokusse, Bärlauch, Ysop, Blutweiderich, Pfirsichblättrige-, Rundblättrige- , Nesselblättrige Glockenblumen, Oregano, Wegwarte, Schafgarbe, Färberkamille, Wiesen-Plättererbse, Wiesen Salbei, Wiesen-Witwenblume, Wilde Karde, Duft-Skabiose, Schwarze Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Wasser Dost, Echter Eibisch, Tauben Skabiose, Heil-Zeist, Rotklee, Knoblauchsrauke, Wilde Malve, Rosen Malve, Ackerringelblume, Echter Bienwell, Gamander-Ehrenpreis, und viel, viel mehr! 


Für Trockene, Nährstoffarme Stellen:

Natternkopf, Färberkamille, Wegwarte, Wilde Möhre, Steppensalbei, Wiesen-Margerite, Echtes Johanniskraut, Rainfarn, alle Königskerzen, Weißer Mauerpfeffer, Schwarzer Mauerpfeffer, Wundklee, Weißes Labkraut, Echtes Labkraut, Färber Resede, Frülings-Fingerkraut, Habichtskraut, Studenlien, Acker-Glockenblume, Sandthymian, Rispen-Flockenblume, Duft-Skabiose, Steinklee...


Im Kräuterbeet (blühen lassen!)

Fenchel, Dill, Kamille, Oregano, Echter Salbei, Currykraut, Zitronenmelisse, Winterbohnen-kraut, Echter Kümmel, Kleinblütige Bergminze, Schnittlauch, Thymian, Waldmeister, Breitblättrige Thymian


Sträucher für Wildbienen und Vögel (soweit im Gartenordnung erlaubt)

Wildrosen (Hunds-, Essig-, Zimt-, Bibernellrose...) Schlehe (mit Wurzelsperre), Faulbaum, Kornelkirsche, Vogelkirsche, Holunder, Besenginster, auch Beerensträucher wie Johannisbeere, Himbeere, Brombeere usw. 


Ein wenig Gelassenheit fördert auch der Vielfalt:

Extrem wertvolle (Un)Kräuter

Löwenzahn, Große Brennnessel, Gänseblümchen, Giersch


Regionales Saatgut

Sogar eine kleine Fläche mit regionalen Wildblumen macht ein großer Unterschied für Insekten. Dabei ist die Herkunft der Pflanzen entscheidend. Viele Saatgutmischungen sind leider oft eher für das Menschenauge als für die Natur, und können sogar invasive Pflanzen beinhalten. Deshalb Greifen Sie am besten zu zertifiziertem "Regiosaatgut" aus Ursprungsgebiet 04 oder 22 für Berlin. Diese Die sind online oder in Wildstauden-Gärtnereien erhältlich. Es gibt einjährig und mehrjährige Mischungen für nahezu jeder Standort. z.B. Schattensaum, Fettwiese, Blumen-Kräuter-Klimarasen, Bunter Saum, Schotterrasen, Dachbegrünung uvm. 


2. Naturnahe Pflege

Die Stängel von abgeblühte Blumen- und Staudenstängel über den Winter stehenlassen. Das sind echte Insektenhotels! 

Auch wenn es in den Fingern juckt, erst nach Ostern, den Frühjahrsputz machen. 


3. Chemie Ade! 

Lieber den Garten gut planen, der richtige Pflanzen für den richtigen Standort nehmen, robuste Sorten aussuchen, Pflanzenjauchen und organische Dünger einsetzen, und getrost auf Nützlinge setzten. Gift, Pestiziden und mineralischen Düngern sind oft auch schädlich für Nützlinge und den Boden und auf Dauer die Pflanzengesundheit dazu.


4. Mini-Lebensräume für Insekten, Vögel und Fledermäuse schaffen

Wassertränke, ein Teich mit heimischen Wasserpflanzen und keine Fische, Steinhaufen, Trockenmauer, Totholzhecken und -Haufen, Sandlinsen für boten-nistende Wildbienen, Nist- und Schlafkästen für Vögel und Fledermäuse sowie wilde Ecken fördern die Artenvielfalt enorm. Wichtig ist, diese Strukturen in Ruhe zu lassen um Wildtiere und ihre Brut dauerhaft zu  schützen.


5. Grünabfalle wiederverwerten

Im eigenen Garten hilft die Kreislaufwirtschaft, um Nützlinge zu unterstützen. Im eigenen Garten sollten alle organischen Materialien – außer kranken Pflanzenteilen – im Garten bleiben und dort wiederverwendet werden


Kompost

Laub, Rasenschnitt, Strauchschnitt usw. kann man wunderbar kompostieren. Kompost verbessert die Bodenstruktur, und die Wasserspeicherkapazität, und ist ein toller organischer Dünger. Es bietet eine wunderbare Vorlage für gesunde, robuste Pflanzen. Dazu bietet Kompost nützlichen Kleinsttieren, Bakterien und Pilzen zusätzlichen Lebensraum. Die Vögel freuen sich auch über diese Leckerbissen!


Mulch


Nicht-Graben-Beete

Der Boden so wenig umgraben wie möglich, denn das zerstört der Natürliche Schichtung von Bodenleben und schadet der Bodenfruchtbarkeit und -Struktur. Auch "nackte" Stellen im Gemüsebeet sollte verhindert werden. Dafür eigenen sich Hoch- und Rahmenbeete hervorragend. Organische Materialien wie Äste, Strauchschnitt und Laub eigenen sich perfekt um sie aufzufüllen.

Wichtigen Nahrungspflanzen für Wildbienen, Hummeln und andere Insekten 


Winter/Frühling
Sommer
Herbst
Winterlinge
Schafgrabe
Borretsch
Krokus
Katzenminze
Salbei
Schneeglöckchen
Ehrenpreis
Natternkopf
Weide
Dost
Mönchspfeffer
Schneeball
Wildrose
Gewürzstrauch
Kornelkirsche
Malve
Steinklee
Obst
Mauerpfeffer
Eibisch
Mahonie
Ehrenpreis
Efeu


Stein- und Kieshaufen

Auch das Anlegen von Haufen aus Sand, Kies oder Steinen trägt zur Artenvielfalt bei. Hier finden u. a. Wildbienen, Grabwespen, Laufkäfer, Spinnen und Eidechsen ein Zuhause. Besonders wichtig ist dabei die Wechselbeziehung zwischen verschiedenen Lebensräumen – etwa Nahrung auf der Blumenwiese und Unterschlupf im Steinhaufen.

Ein Stein Sand- oder Kieshaufen lässt sich einfach anlegen: Eine Grundfläche von etwa 2 m² und eine Höhe von ca. 1 m sind ausreichend. Solche Strukturen erwärmen sich schnell und bieten ideale Bedingungen für wärmeliebende Arten. Bereits diese kleinen Maßnahmen leisten einen wertvollen Beitrag.


Feuchtbiotope und Teiche

Eine weitere Möglichkeit, die Artenvielfalt zu fördern, ist das Anlegen eines Feuchtbiotops (z.B. Teich). Dabei sollte eine Flachwasserzone nicht fehlen, um Tieren den Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Teiche bieten Lebensraum für Teich- und Bergmolch, Gras- und Wasserfrosch, Erdkröte, Wechselkröte, Libellen, Wasserkäfer und Kleinkrebse.

Das Ökosystem im Feuchtbiotop sollte möglichst stabil gehalten werden. Der Teich benötigt täglich mehrere Stunden Sonnenlicht – bei intensiver Sonneneinstrahlung ist eine leichte Beschattung sinnvoll. Eine aktive Besiedlung ist nicht notwendig – heimische Tiere und Pflanzen finden den Weg meist von selbst.

Rechtlicher Hinweis: In Kleingärten darf ein Feuchtbiotop/Teich nicht größer als 10 m² sein.


Pflanzen für Schmetterlinge

Schmetterlinge benötigen vom Frühjahr bis in den Herbst ein vielfältiges Blütenangebot. Weibchen legen ihre Eier gezielt auf Futterpflanzen ab, damit die schlüpfenden Raupen geeignete Nahrung finden. Während Raupen feste Pflanzenteile fressen, benötigen die Falter flüssige Nahrung wie Nektar, Honigtau, Pflanzensäfte oder Wasser – aufgenommen durch ihren Saugrüssel.

Wildbienen, Hummeln und viele weitere Insekten benötigen ganzjährig ein ausreichendes Angebot an Blütenpflanzen. Je nach Blühzeitpunkt können Sie Ihren Garten mit einer Mischung aus Frühblühern, Sommer- und Spätsommerpflanzen bereichern.


Schmetterlingsarten
Nektar- Pollenpflanzen 
für Raupe
Nektar- Pollenpflanzen
für Falter
Zitronenfalter

Faulbaum, Kreuzdorn, Löwenzahn
Distelfalter
Gewöhnliche Kratzdistel, Acker Kratzdistel, Stacheldistel, Beifuß, Brennnessel, Schafgarbe, Moschus Malve, Distelblüten
Sommerflieder
Admiral, Tagpfauenauge,
Kleiner Fuchs
Brennnessel
Thymian, Sommerflieder
Schwalbenschwanz
Wilde Möhre, Dill
Natternkopf
C-Falter
Brennnessel
Weidenkätzchen, Beerensträucher
Landkärtchen
Brennnessel, Gewöhnlichem Klettenkerbel
Schlehen, Weißdorn
Großen Kohlweißling
Kohl, Kapuzinerkresse
Disteln, Wiesenschaumkraut, Baldrian, Sommerflieder
Waldbrettspiel
verschiedene Gräser
Baumsäfte, Obst
Grünader-Weißling
Knoblauchsrauke, Wiesenschaumkraut
Blutweiderich, Knoblauchsrauke, Wiesenschaumkraut, Nachtviole, Silberblatt
Kleiner Kohlweißling
Kapuzinerkresse, Raps, Knoblauchsraucke
Rotklee, Disteln, Lavendel, Sommerflieder, Gemüsekohl
Kleinen Feuerfalter
Kleiner und Großer Sauerampfer
Glockenheide, Taubenskabiose, Wasserdost, Disteln, Margerite, Thymian
Aurorafalter
Wiesen-Schaumkraut, Knoblauchsrauke Nachtviole, Silberblatt
Weißdorn, Wiesen-Schaumkraut


Sandarium – Ein Sandkasten für Insekten

Viele Insekten, z.B. Grabwespen, Ameisenlöwen oder Sandlaufkäfer, benötigen offene Sandflächen. Ein Sandarium ist leicht anzulegen: An einem vollsonnigen Standort wird eine ca. 15 cm tiefe Mulde ausgehoben und mit Sand mittlerer Körnung gefüllt. Am Rand können Steine oder passende Pflanzen wie die Sandgrasnelke zur Abgrenzung dienen.


Fazit: Jeder Beitrag zählt!

Wenn auch nur eine der genannten Maßnahmen zur Nützlingsförderung im Garten umgesetzt wird, ist dies bereits ein Gewinn für unsere Natur. Machen Sie mit und geben Sie den Nützlingen ein neues Zuhause!


Sven Wachtmann, Gartenexperte für den Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V.



Foto Schwalbenschwanz: Pixabay

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