Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 27.01.2020 um 16:00 Uhr

Pflanzen veredeln   

Wissenswertes zu Technik und Unterlagen

Das Veredeln ist die höchste Kunst des Gärtners. Im Garten können wir z.B. Obstbäume umveredeln, wenn uns die bestehende Sorte nicht mehr gefällt. Oder wir veredeln eine alte Obstsorte, die es so nicht mehr im Handel zu kaufen gibt. Jetzt fragen sich

sicherlich einige Gartenfreunde: Was ist eine Unterlage? Eine Unterlage ist eine bestehende Pflanze mit Wurzel, auf die das Edelreis veredelt werden kann. Durch eine Veredlung wird eine Lebensgemeinschaft zwischen Unterlage und Edelreis hergestellt. Die Unterlage bestimmt das Wuchsverhalten der neuen Pflanze, also ob sie sehr groß wird oder ob sie nicht so stark wächst. Weiterhin beeinflusst die Unterlage die Blütenbildung, die Frosthärte, die Lebensdauer, den möglichen Ertragsverlauf und die Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflussfaktoren. Grundsätzlich sollten Sie die Unterlage auch nach dem vorhandenen Standort auswählen, um eine optimale Entwicklung zu gewährleisten. So eignen sich für leichte und mittlere Böden eine mittelstark wachsende Unterlage, für schwerere Böden eine schwach wachsende.


Die Unterlagen werden generativ über Samen oder vegetativ über Ableger, Abrisse, Stecklinge, Steckholz oder Absenker gewonnen. Man unterscheidet hierbei zwischen Sämlings- und Typenunterlagen. Typenunterlagen bei Obstgehölzen werden immer mit Abkürzungen wie zum Beispiel M4 oder M9 angeboten. Bei den Veredlungsverfahren gibt es z.B. die Augenveredlung bei Rosen und die Reiserveredlung bei Obstgehölzen. Die Augenveredlung wird auch Okulation genannt. Diese Veredlung wird im Sommer durchgeführt, wenn das Holz noch weich ist. Es wird ein Auge (Knospe) der neuen Sorte entnommen und nach dem T-Schnitt in die Unterlage eingeführt und verbunden. Wenn alles geklappt hat haben sie nächstes Jahr eine neue Rosensorte.


Die zweite Veredlungsart ist die Reiserveredlung. Diese Veredlung wird vorrangig im Winter/Frühjahr angewendet. Für diese Veredlung benötigen Sie einen Zweig mit drei bis fünf Augen (Knospen). Bei der Reiserveredlung gibt es die Kopulation, die

Geißfußveredlung und das Pfropfen. Für alle Veredlungsverfahren brauchen Sie absolute Sauberkeit, scharfes und richtiges Werkzeug (Veredlungsmesser/Okulationsmesser), Verschluss- und Verbindungsmaterial wie z.B. Veredlungsbänder oder Schnellverschlüsse aus Kautschuk. Wenn alle Materialien vorhanden sind kann es mit etwas Geschick und Ruhe an die Veredlung gehen.


Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied für Fachberatung

Dokumente:
Pflanzen veredeln
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