Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 30.04.2020 um 10:00 Uhr

Wild- und Heilkräuter zur biologischen Pflanzenstärkung   

Beitrag von Ellen Müller  

Rainfarn. Foto: Pixabay

Komm lieber Mai und mache…

Der Wonnemonat Mai vielbesungen, seit jeher Inbegriff des Frühlings, lässt mit seiner Fülle jeder Gärtnerherz höherschlagen. Es gibt wohl keinen schöneren Monat im Gartenjahr. Der Garten zeigt sich von seiner besten Seite. Nicht nur die Apfelbäume blühen um die Wette auch da Grün der Blätter, Sträucher und Gräser strotzen vor Leuchtkraft und Energie. Das macht den Mai so besonders! Der Winter ist vorbei, der Vorfrühling, mit seinen Wetterkapriolen auf dem Rückzug, langsam wird es wärmer und die Natur explodiert förmlich.


Natürlich kann es hier und da noch einmal kalt werden, aber das Schlimmste ist geschafft. Nach den Eisheiligen kann alles raus in den Garten, selbst empfindliche Gewächse dürfen jetzt ins Beet. Bei etwaigen Nachtfrösten reicht ein schützendes Vlies zum Abdecken der Kulturen.

Wild- und Heilkräuter zur biologischen Pflanzenstärkung

Nicht nur Gemüse und Zierpflanzen wachsen, auch die Wild – und Heilkräuter schlafen nicht. Sie profitieren ebenfalls von Licht und Wärme. Sie sind voller Vitalstoffe, gesund für Gärtner und Garten. Man kann sie hervorragend nutzen.


Grundsätzlich sollte der Kleingärtner auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. Ihr Einsatz ist im Kleingarten nicht erlaubt. Zum Schutz der Bienen- Wildbienen und anderer Insekten greift der Kleingärtner regulierend in den Naturhaushalt ein und betreibt keinen Kahlschlag. Er duldet Wildkräuter in seinem Garten. Gerade diese sogenannten „Unkräuter“ bieten für Bienen und Wildbienen eine gewisse Überlebensgrundlage, und uns ein Fundus an Pflanzenstärkungsmitteln gegen vieles was unseren Zierpflanzen und Gemüsekulturen das Leben schwer macht. Die Natur bietet uns reichlich Kräuter, die wir aufgrund ihrer Inhaltsstoffe zum biologischen Pflanzenschutz nutzen können.


Die Wirkstoffe dieser Kräuter wirken gegen Pilzbefall und schrecken Schädlinge ab, vertreiben sie oder töten sie sogar. Als Stoffe aus der Natur werden sie allerdings schnell und rückstandslos abgebaut, belasten aber auch so die Umwelt nicht. Das bedeutet, dass wir diesen Pflanzenschutz in regelmäßigen Abständen anwenden müssen.

Vorbeugende Behandlung

Die zu behandelnden Pflanzen werden so in regelmäßigen Abständen vorbeugend gestärkt. Das ist auf den ersten Blick aufwendiger als eine einmalige Behandlung mit der Chemiekeule. Auf lange Sicht macht sich die Mühe jedoch bezahlt. Zum einen ist die biologische Variante kostenlos, zum anderen sind Kräutertees, -brühen und –jauchen bienenungefährlich. Auch andere Nützlinge werden durch sie nicht beeinträchtigt. Also eine regelmäßige Behandlung ist auf Dauer der Mühe wert.


Brühe kochen

Mein Tipp: Im zeitigen Frühjahr, wenn die Knospen an den Obstgehölzen schwellen, koche ich eine Brühe aus Ackerschachtelhalm, Knoblauch und Rainfarn. Diese Brühe verdünne ich 0,5 bis 1:4 Liter in einem 5 Liter-Pumpsprühgerät. Ein halber bis ein Liter Brühe und vier Liter Wasser (nach Möglichkeit Regenwasser) auffüllen. Hierzu bitte ein sehr feines Teesieb benutzen. So werden Schwebstoffe herausgefiltert, welche die Sprühdüse verstopfen können.


Anwendung

Mit diesem Gemisch werden alle Pflanzenteile tropfnass von oben und unten eingesprüht. Die Düse sollte ganz fein eingestellt sein. Die Behandlung wiederhole ich ca. dreimal in Abständen wie folgt: Abhängig von der Entwicklung der Pflanzen erstmals beim Schwellen der Knospen, dann beim Blattaustrieb ein weiteres Mal. Wenn die Blätter voll entwickelt sind folgt eine weitere Behandlung.

Bitte nicht vor zu erwartendem Regen arbeiten, sondern eine trockene Phase abwarten, damit die Brühe trocknen kann und nicht gleich abgewaschen wird. Ebenfalls nicht in der prallen Sonne arbeiten, versteht sich.

Ackerschachtelhalm. Foto: Pixabay

  • Der Ackerschachtelhalm enthält Kieselsäure, die das Pflanzengewebe stärkt. Schädlinge und Pilze können nicht so leicht in das Pflanzengewebe eindringen. Ackerschachtelhalm haben viele Gartenfreunde im Kleingarten, den sie dort sammeln und trocknen können; ist auch in der Apotheke erhältlich.
  • Rainfarn ist giftig und tötet tierische Schädlinge ab, auch Bakterien, Rost und Mehltau. Ihn kann man ebenfalls sammeln und trocknen. Er wächst vor allem an Feldrainen. Ansonsten ebenfalls in der Apotheke oder im Versandhandel zu haben.
  • Knoblauch wirkt antiseptisch und tötet Pilze und Bakterien ab.


Die genannten Kräuter können über das ganze Jahr angewandt werden, auch frisch ausgekocht. Hier ändert sich lediglich die benötigte Menge.


Rezept/Grundregel:
Für 10 Liter Wasser reicht 1 kg frisches Pflanzenmaterial oder 100-200 g getrocknete Pflanzen. Das Pflanzenmaterial frisch oder getrocknet 24 Stunden in Regenwasser einweichen, 20-30 Minuten kochen, abkühlen und sieben. Anschließend im Verhältnis 1:10 oder 1:20 verdünnen.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt wie vielfältig Kräuter im Pflanzenschutz eigesetzt werden können. Weitere und ausführliche Rezepte sowie Anwendungsmöglichkeiten finden Sie in der Broschüre:
„Pflanzensaft gibt Pflanzen Kraft“ von der Abtei Fulda.

Ellen Müller
Bezirksgartenfachberaterin des Bezirksverbands Berlin-Pankow

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