Bezirksverband Wedding der Kleingärtner e. V.

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Verfasst am 26.11.2019 um 15:25 Uhr

Klimaschutz für ein lebenswertes Berlin

von Tilman Heuser, Landesgeschäftsführer des BUND Berlin e.V.   


Eine im Sommer rückwärts fließende Spree   

Greta und die „Fridays-for-Future“-Bewegung bewegen die Welt. Angesichts des zunehmend konkret erlebbaren Klimawandels fordern Kinder und Jugendliche ihre Chance auf Zukunft ein. Denn wovor Klimaforscher und Umweltschützer jahrzehntelang warnten, wird weltweit immer mehr zur bitteren Realität. Auch in Berlin sind die Veränderungen unmittelbar spürbar. Zunehmende Trockenperioden und Hitzewellen einerseits, häufigere Starkregenereignisse andererseits: Wer intensiv mit der Natur arbeitet, erlebt den Klimawandel hautnah. Vertrocknende Bäume und Grünflächen, sinkende Wasserspiegel in Seen, eine im Sommer rückwärts fließende Spree sollten inzwischen für alle deutlich gemacht haben: Es ist tatsächlich kurz vor zwölf.


Politik - zu wenig, zu langsam
Das politische Handeln angesichts dieser Erkenntnis bleibt jedoch weit hinter dem Notwendigen zurück. Um den Klimawandel auf ein – wie im Pariser Weltklimaabkommen von 2015 vereinbartes – halbwegs erträgliches Maß von 1,5 Grad zu begrenzen, bedarf es einer grundlegenden Änderung unserer Produktions- und Konsumweise. Nur mit technischen Innovationen wird sich der klimatische Fußabdruck von derzeit ca. elf Tonnen CO2 pro Berlinerin oder Berliner und Jahr kaum auf maximal 1,5 Tonnen senken lassen.

Klimaanlage „Grün in der Stadt“
Parallel dazu muss sich Berlin an die Anforderungen des Klimawandels anpassen. Städte heizen sich im Sommer um bis zu 8 °C mehr auf als das Umland. Die einzig funktionierende Klimaanlage gegen diese Aufheizung ist das Grün in der Stadt: von Straßenbäumen und Fassadenbegrünungen bis hin zu Grünflächen und Kleingärten. Jede Umwandlung von Grün in Beton ist daher nicht mehr tolerierbar – notwendig ist das Gegenteil.

Klimaschutz ist attraktiv!
 „Mehr Grün in der Stadt“ zeigt zugleich, dass konsequenter Klimaschutz insgesamt eine Chance für eine menschengerechte und lebenswerte Stadt sein kann. Weniger Autos dank besser ausgebauter Alternativen bedeuten weniger Lärm und Gestank, eine ökologische Landwirtschaft sichert blühende Landschaften und gesunde Ernährung, die energetische Sanierung von Gebäuden kann zugleich für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum genutzt werden. Nicht zu vergessen: Mehr Kleingärten und Grünflächen ersparen den Menschen die Flucht aus der Stadt.

Mit der Natur, nicht gegen sie
Gerade Kleingärtnerinnen und Kleingärtner können daher deutlich machen: Klimaschutz ist nicht nur notwendig, sondern auch attraktiv. Ein sorgsamer Umgang mit der Natur stiftet Sinn und Erholung, das gemeinsame Bewirtschaften von Flächen stärkt das Miteinander. Es ist daher gut, dass viele Kleingärten sich inzwischen aktiv mit Projekten für den Schutz des Stadtklimas, das Erleben der Natur, aber auch für das Miteinander in der Gesellschaft einsetzen. Wenn dieses Engagement auch in anderen Themenfeldern wie Mobilität, Ernährung, Bauen und Konsum in Gesellschaft und Politik getragen wird, steigen die Chancen für Kinder und Jugendliche auf eine gute Zukunft. Denn jeder, der einen Garten hat, kann glaubwürdig eine zentrale Erkenntnis an seine Mitmenschen weitergeben: Langfristig erfolgreich wirtschaften lässt sich nur mit der Natur, nicht gegen sie.

Tilman Heuser
Landesgeschäftsführer des BUND Berlin e.V.



Dieser Beitrag ist in der Dezember-Ausgabe 2019 der Verbandszeitschrift "Berlin Gartenfreund" als Editorial erschienen und mit freundlicher Genehmigung des Autoren auch hier.